Flüchtlingszentrum „Dopomoha Dnipra“ in Dnipropetrowsk

Persönliche Eindrücke einer Volonteurin aus Berlin

Im März 2015 hielt ich mich drei Wochen lang in Dnipropetrowsk auf und lebte und arbeitete als Volonteurin in dem von der lokalen NGO „Dopomoha Dnipra“ betriebenen und von der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Rhein-Neckar e.V. regelmäßig mit Spenden unterstützten Flüchtlingszentrum mit. Ich konnte mir in diesem Zeitraum einen Überblick über die Aktivitäten des Zentrums verschaffen und hatte ausführlich Gelegenheit, mit Flüchtlingen aus dem Donbass ins Gespräch zu kommen.

1 Logo Dopomoha Dnipra
Das Zentrum ist zum Einen erste Anlaufstelle für Menschen, die aus den von den Separatisten besetzten Gebieten geflohen sind und bietet zunächst eine Unterkunft für wenigstens 24 Stunden sowie humanitäre Erstversorgung durch Verpflegung und Ausgabe von Kleidung und, falls nötig, erste medizinische und psychologische Betreuung. Parallel dazu läuft die Suche nach einem neuen Platz zum Leben für diese Menschen – mittlerweile in anderen, weiter westlich gelegeneren Städten der Ukraine, da die Stadt und das Gebiet (Oblast) Dnipropetrowsk ihre Aufnahmekapazität an Flüchtlingen bereits seit mehreren Monaten überschritten haben. Sobald eine Unterbringungsmöglichkeit für die Menschen gefunden wurde, wird in Zusammenarbeit mit der Ukrainischen Eisenbahn, die immer wieder kostenlose Tickets für Binnenflüchtlinge zur Verfügung stellt, die Reise an den neuen Wohnort organisiert und die Menschen zum Bahnhof begleitet.

Zum Anderen suchen von Montag bis Freitag täglich Menschen das Zentrum auf, die bereits in Dnipropetrowsk bei Verwandten oder Freunden Aufnahme gefunden haben und sich nun offiziell als Flüchtlinge registrieren lassen wollen, um ihre Ansprüche auf die ihnen zustehenden staatlichen Sozialleistungen geltend zu machen. Um sich den Registrierungsformalitäten in Ruhe widmen zu können, haben Eltern oder Großeltern die Möglichkeit, die Kinder in zwei sehr schön hergerichteten Spielzimmern in die Obhut der Mitarbeiterinnen der Organisation „Save the children“ zu geben.

Die als Binnenflüchtlinge registrierten Menschen haben auch Anspruch darauf, sich in der Kleiderausgabe mit Kleidung für sich und ihre Familie zu versorgen, da viele von ihnen nur mit dem Nötigsten gekommen sind. Sofern vorrätig, wird gelegentlich auch bescheidene „humanitäre Hilfe“ in Form von gebrauchtem Hausrat (Teller, Tassen, Gläser, Besteck) und Hygieneartikeln wie Seife oder Waschpulver ausgegeben.

6 Kleiderkammer

Das Team des Flüchtlingskoordinierungszentrums besteht etwa hälftig aus einheimischen Volonteuren, die das Schicksal der Donbass-Flüchtlinge nicht kalt lässt und die sich seit dem vergangenen Sommer ehrenamtlich für diese Menschen engagieren, und Flüchtlingen, die beschlossen haben, in Dnipropetrowsk zu bleiben und ebenfalls jenen zu helfen, die ihr Schicksal teilen. Es handelt sich um eine rein zivilgesellschaftliche Initiative, die keinerlei finanzielle oder materielle staatliche Unterstützung erhält und auf humanitäre Hilfe durch das UNHCR sowie auf Spenden aus der Bevölkerung oder auch aus dem Ausland angewiesen ist.
Die sehr hilfsbereiten Einwohner von Dnipropetrowsk unterstützen das Zentrum immer wieder durch Kleider- und Sachspenden. Ich konnte selbst beobachten, wie täglich Säcke mit Second-Hand-Kleidung, insbesondere Kindersachen, und Spielzeug im Zentrum abgegeben wurden. Des Weiteren leisten einige Kirchen und Religionsgemeinschaften vor Ort tatkräftig Hilfe durch regelmäßige Lebensmittelspenden, ohne die der Betrieb des Zentrums nicht möglich wäre. Auch von Bauern aus der Umgebung kommen immer wieder Lebensmittelspenden in Form von Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Zwiebeln und Roter Beete.

3 LebensmittelspendenSAM_3349

Nach meiner Beobachtung ist in Dnipropetrowsk eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft zu spüren. Dennoch ruht angesichts des Umfangs der zu bewältigenden Aufgabe der Betrieb des Zentrums auf töneren Füßen. Spenden und die Mitarbeit von Volonteuren sind daher immer willkommen! Und an dieser Stelle sei abschließend ein persönliches Wort gestattet: Auch für Volonteure ist ein solcher Aufenthalt in jedem Fall eine bereichernde Erfahrung.

Natascha Samuel, Berlin