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IN VIA-Projekt Au-pair-Beratung Ukraine, BelarusHier dreht sich alles um den sicheren Au-pair-Aufenthalt in Deutschland, besonders für Au-pairs aus den GUS-Staaten....
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Kubon & Sagner: Bücher aus der UkraineLiteratur aus Ost- und Südosteuropa...
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Ukrajins'ka PravdaUkrainische Online-Zeitung in ukrainischer, russischer und englischer Sprache, gegründet von dem ermordeten Journalisten Georgij Gongadze....
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07.03.2009
Wien-Kiew (KAP) Mit einem Gottesdienst im Wiener Stephansdom gedachte die griechisch-katholische Kirche in Österreich am Samstag des "Holodomor" ("Hungertod"), der dramatischen künstlichen Hungersnot, die in den Jahren 1932/33 von Stalin entfesselt wurde. Die Hungersnot vor mehr als 75 Jahren kostete mindestens vier Millionen Menschen in der Ukraine das Leben.kathweb.at
31.10.2007
Bisher haben 12 Staaten den Holodomor in den Jahren 1932/33 in der Ukraine als Genozid anerkannt:
Ecquador, Kanada, Argentinien, USA, Ungarn, Litauen, Georgien, Australien, Polen, Spanien und Peru.
24.11.2007
Am 24. November 2007 fand in Mannheim auf Initiative der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Rhein-Neckar ein ganztägiger Kongress mit dem Titel "Politik der Vernichtung durch Hunger" statt.
Zu Beginn der 1930er Jahre verübte das kommunistische Regime Stalins im tiefsten Herzen Europas und in der als Kornkammer der Sowjetunion bekannten Region einen Genozid an Millionen von Menschen. Eine von der Landwirtschaft geprägte Bevölkerung wurde dem Hungertod ausgeliefert, eine der skrupellosesten Formen von Folter und Tod. Die Ukrainer bezeichnen diese Tragödie als HOLODOMOR.
Lesen Sie dazu auch den in der Deutschen Welle erschienenen Artikel von Tetjana Bondarenko , der freundlicherweise von Herrn Dr. Lüdemann ins Deutsche übersetzt wurde.
Auf den Seiten des ukrainischen Außenministeriums finden Sie auch einen Artikel zu den veranstaltungen in Deutschland zum Thema Holodomor.
24.11.2007
Wenige in Deutschland wissen etwas über die schrecklichen Ereignisse 1932-33 in der Ukraine. Eine wissenschaftliche Konferenz in der Stadt Mannheim war ein Versuch, die Aufmerksamkeit der Deutschen auf das Thema Holodomor zu richten.
Etwa 80 Gäste, darunter deutsche und ukrainische Historiker, Politologen, Journalisten, Schriftsteller, Studenten und Vertreter der Geistlichkeit versammelten sich am Samstag in Mannheim. Die Mehrheit der Referenten mussten feststellen, daß sehr wenige Menschen in Deutschland, mit Ausnahme eines engen Kreises von Wissenschaftlern, mit dem Thema vertraut sind oder überhaupt etwas über die tragischen Ereignisse der Jahre 1932-33 erfahren haben. Dies bezeugt besonders auch die Tatsache, daß in deutschen Schulbüchern zur Geschichte nicht immer wenigstens eine Erwähnung des Holodomor zu finden ist. So war einer der Organisatoren der Konferenz, der Historiker Ernst Lüdemann, nach der Analyse einer Reihe von Schulbüchern zu folgender Schlussfolgerung gezwungen:
„Dieses Thema wird leider völlig unzureichend und unbefriedigend beleuchtet. D.h. daß diese Ereignisse in einem Teil der von mir untersuchten Schulbücher überhaupt nicht erwähnt werden, in einem anderen Teil nur sehr verkürzt.“
Zugleich ist sein Kollege, Autor zahlreicher Arbeiten über den Holodomor, Professor der Osteuropäischen Geschichte Gerhard Simon von der Notwendigkeit überzeugt, die Information über diese Tragödie dem breiten Publikum in Deutschland nahe zu bringen:
„Wenn wir wissen wollen, was sich heute in der Ukraine tut, dann müssen wir uns neben anderen Themen auch mit dem Holodomor befassen“.
Gerhard Simon lenkt die Aufmerksamkeit auch darauf, daß die Bewusstmachung des Holodomor als Genozid in Deutschland durch die historische Vergangenheit der Deutschen erschwert wird, deren unabdingbarer Teil der Holocaust ist:
„Die Erinnerung der Deutschen ist sozusagen schon durch den Holocaust ausgefüllt. Verbrechen gegen die Menschheit, Vernichtung von Millionen von Menschen verbindet man in Deutschland grundsätzlich eben mit der Ermordung der europäischen Juden durch die deutschen Nazis. Diese Nische im deutschen Gedächtnis ist in bedeutendem Umfang bereits besetzt, deshalb ist es so schwer, Interesse für den Holodomor in Deutschland zu finden.“Ein anderer Teilnehmer der Diskussion, Professor Egbert Jahn, ruft dazu auf, den Terminus Genozid mit Vorsicht zu benutzen, um seine Trivialisierung zu vermeiden, und schlägt seine Definition dessen vor, was der ukrainische Holodomor war: „Allgemein fällt er unter die Kategorie „Demozid“. Dies ist ein etwas weiterer Begriff als „Genozid“. Genozid kann man nicht am eigenen Volk verüben, deshalb meine ich, daß man von Demozid reden muß. Die verbrecherischen Befehle führten ja gerade Ukrainer aus. Man kann das noch enger fassen und sogar von Soziozid sprechen, d.h. von der Ermordung, Vernichtung von Menschen auf der Grundlage ihrer sozialen oder Klassenzugehörigkeit. Im Falle des Holodomor ist dies die Vernichtung von Bauern“.
Zugleich ist die Anerkennung des Holodomor als Genozid durch andere Staaten eine der Prioritäten der heutigen ukrainischen Politik. Gerhard Simon ist jedoch nicht überzeugt davon, daß sie Erfolg haben wird: „Ich glaube nicht, daß der Holodomor bald auf der Ebene der Vereinten Nationen als Genozid anerkannt werden wird, da die Richtungen der Interessen sehr unterschiedlich sind. Das betrifft auch Deutschland, wo man in dieser Frage besonders auf die Haltung Russlands achtet“.
Die weltweite Anerkennung des Holodomor als Genozid am ukrainischen Volk hätte nach Ansicht des Wissenschaftlers eine große Bedeutung für die Weltpolitik. Erstens wäre dies ein Präzedenzfall für viele andere Völker, in deren Geschichte ein Massenmord der Bevölkerung stattfand. Zweitens zöge dies unzählige juristische Forderungen nach Entschädigung nach sich und hätte andere unvorhersehbare Folgen. Eben deshalb, so meint Gerhard Simon, ist nicht zu erwarten, daß der Bundestag in nächster Zeit den Aufrufen des Präsidenten Juščenko Gehör schenken wird.
Der Journalist Jurij Durkot, der auf der Konferenz die politischen Aspekte des Themas Holodomor beleuchtete, bemerkt, daß es bei seiner Einschätzung als Genozid nicht so sehr um eine rechtliche Begründung gehe, als vielmehr um die moralische Verantwortung und um den Versuch, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen: „ In dieser Frage ist die Ukraine heute viel weiter fortgeschritten als Russland, und wir sehen, wie nervös Russland reagiert. Faktisch sehen wir eine klare Tendenz, wenn man in Russland das Thema Holodomor und die Diskussion über den Holodomor als ein Thema der Spekulation in einem gewissen Kreis ukrainischer Politiker hinzustellen versucht.“
Schließlich hat das Thema Holodomor heute nach Ansicht der Mehrheit der Teilnehmer der Konferenz eine besondere Bedeutung. Während des Holodomors litten die zentralen und östlichen Regionen der Ukraine. Heute indes gedenken die Ukrainer, unabhängig davon, wo sie leben, gemeinsam der Opfer dieser Tragödie. Dies vereint das ukrainische Volk im Bestreben, seine Geschichte zu bewahren und der Verstorbenen zu gedenken.
Tetjana Bondarenko, Übersetzung Dr.Ernst Lüdemann
Deutsche Welle
24.11.2007
Referat bei der Tagung „Holodomor 1932-33. Politik der Vernichtung“.
Mannheim 24. November 2007
In den Jahren 1932/33 ereignete sich in der Sowjetunion eine der größten humanitären Katastrophen des 20.Jahrhunderts. Sechs bis sieben Millionen Menschen wurden Opfer einer Hungersnot, über die damals so gut wie nichts an die Öffentlichkeit drang. In der Sowjetunion wurde die Große Hungersnot mit einem Tabu belegt. Erst 50 Jahre später begann eine größere Öffentlichkeit – zunächst in Nordamerika und dann auch in der auseinander brechenden Sowjetunion – Details zu erfahren und Anteil zu nehmen. Inzwischen ist der Holodomor zu einem zentralen Aspekt der Erinnerungskultur in der Ukraine, nicht jedoch in Russland oder Kasachstan geworden.
Die Erinnerung an die Millionen Verhungerten steht in der Ukraine im Zeichen der Distanzierung von der kommunistischen Vergangenheit, und sie dient zugleich der Konsolidierung der Nation im neuen demokratischen Staatswesen. Auch in Russland ist die Hungersnot kein Tabu mehr, aber zu einem breiten Gedächtnis an die Opfer ist es bis heute nicht gekommen.
Die Hungersnot forderte besonders viele Opfer in der Ukraine: nach den Ergebnissen der neueren Forschung 3,5 Millionen Menschen, bei einer Einwohnerzahl von 29 Millionen (1926) waren das mehr als 10% der Bevölkerung. Die Opfer verteilen sich ganz ungleichmäßig über das Land. Am stärksten betroffen waren die damaligen Gebiete Kiew und Charkiv sowie die damalige Autonome Republik Moldova im Bestand der UkrSSR, weniger Hungertote waren im Donbas zu beklagen. Dabei weichen die heutigen administrativen Grenzen erheblich von den damaligen ab. Allerdings weist die Statistik in allen Gebieten der Ukraine für das Jahr 1933 deutlich höhere Sterbeziffern aus als in den Jahren davor und danach. Opfer des Hungers gab es also im ganzen Land; die Menschen verhungerten fast ausschließlich in den Dörfern. In den Städten herrschte zwar auch äußerster Mangel an Nahrungsmitteln, aber der Schwerpunkt des Hungers waren gerade die Getreide produzierenden Regionen. Ganze Dörfer starben aus. Ungefähr 80% der Verhungerten in der Ukraine waren ethnische Ukrainer, denn die ländliche Bevölkerung bestand ganz überwiegend aus ethnischen Ukrainern. Die restlichen 20% der Opfer in der Ukraine verteilten sich auf polnische, moldauische, russische und deutsche Landbewohner. In der westlichen Ukraine, die damals zu Polen, bzw. Rumänien und der Tschechoslowakei gehörte, gab es keine Hungersnot.
Auch außerhalb der Ukraine wütete der Hunger in der Sowjetunion. Am stärksten betroffen waren der Nordkaukasus und hier besonders der Kuban’, wo die Bevölkerungsmehrheit aus Ukrainern und ukrainischen Kosaken bestand, sowie die Regionen Mittlere und Untere Wolga, einschließlich der Autonomen Republik der Wolgadeutschen. Die höchste Zahl der Opfer – gemessen an der Bevölkerungszahl – war in den Steppenregionen Kasachstans zu beklagen. Hier starben die kasachischen Nomaden infolge der zwangsweisen Sesshaftmachung.
Insgesamt starben – wie gesagt - nach Berechnungen von Fachleuten sechs bis sieben Millionen Menschen, davon 3,5 Millionen in der Ukraine, 2 Millionen in Kasachstan, weitere Hunderttausende im Nordkaukasus, an der Wolga und in Westsibirien. Die genaue Zahl der Opfer wird sich niemals ermitteln lassen, weil standesamtliche Einträge nur unvollständig geführt wurden und die Behörden von Anfang an angewiesen wurden, die Hungeropfer nicht zu dokumentieren. Sogar die Ergebnisse der Volkszählung von 1937 wurden zum Staatsgeheimnis erklärt, und die leitenden Mitarbeiter der Volkszählung verschwanden als Saboteure und Volksfeinde im Gulag. Erst nach dem Ende des Sowjetsystems wurden die Ergebnisse der Volkszählung von 1937 zugänglich; der Vergleich der Ergebnisse der Volkszählung von 1926 und 1937 stellt eine wichtige Quelle für die Berechnung der Opferzahlen dar.
In vielen ländlichen Regionen der Ukraine kam es schon in der ersten Jahreshälfte 1932 zu einer ersten Hungerkatastrophe. Die Zahl der Hungeropfer in diesem ersten Hungerjahr, das auf eine schlechte Getreideernte 1931 folgte, wird auf 144.000 geschätzt. Schlimmeres stand bevor. Nach einer zweiten unterdurchschnittlichen Getreideernte in der Ukraine 1932 verhungerten die Bauern seit dem Spätherbst 1932; die Katastrophe des Holodomor erreichte im Juni 1933 ihren Höhepunkt, im September 1933 mit der neuen Ernte war das Hungersterben vorbei.
Wie konnte es ausgerechnet in der Ukraine - der Kornkammer Europas – zu einer Hungersnot in den Dörfern kommen? Die erst vor kurzem in die Kolchosen gezwungenen Bauern und die noch verbliebenen Einzelbauern wurden mit einem unerfüllbar hohen Ablieferungssoll belastet. Wenn die Kolchosen und Einzelbauern das ihnen auferlegte Ablieferungssoll nicht aufbrachten, erschienen bewaffnete Requirierungskommandos und nahmen den Bauern die Getreideernte weg. So starben viele Landbewohner im Spätwinter und im Frühjahr, wenn alle anderen Nahrungsmittel aufgebraucht und auch das zuvor geschlachtete Vieh verzehrt war. Die zwangsweise Kollektivierung hatte überall zum Rückgang der Arbeitsproduktivität auf dem Land geführt. Die Bauern arbeiteten lustlos und schlecht auf den Kolchosfeldern. Auch das war eine Grund für schlechte Ernteergebnisse.
Nach der bolschewistischen revolutionären Logik waren die Bauern grundsätzlich Menschen zweiter Klasse. Im Zuge der Industrialisierung war ihnen die Rolle zugewiesen worden, die Städte und die entstehenden Industriereviere zu ernähren. Wenn sie das nicht freiwillig taten - so die bolschewistische Parteilinie - mussten sie dazu durch Requirierung der Ernte gezwungen werden. Die Stalin-Führung nahm billigend in Kauf, dass ein Teil der Bauern verhungerte. Ja, mehr noch, die Parteiführer bestätigten sich in ihrer Korrespondenz, wie nützlich der Hunger war, um die Bauern zur ehrlichen Arbeit in den Kolchosen zu zwingen. Die Hungersnot wurde von der bolschewistischen Führung als ein probates Mittel der Erziehung und Disziplinierung der Landbevölkerung betrachtet.
Der ukrainische Parteichef Stanislav Kosior schrieb am 15. März 1933 an Stalin, dass der Hunger „eine gewisse Wende bei der Masse der Kolchosbauern“ bewirkt habe. „Allerdings verstehen das bei weitem noch nicht alle Kolchosbauern. Sehr viele Kolchosbauern sind aus dem Hunger noch nicht schlau geworden, dies zeigt sich bei der mangelhaften Vorbereitung der Aussaat gerade in den Rayons, die besonders schlecht dran sind.“ (OE 12, 2004, S. 66) Die offizielle Propagandaversion lautete, die Bauern arbeiteten schlecht auf den Feldern der Kolchosen, sie würden das geerntete Getreide stehlen und verstecken, um es dann zu höheren Preisen illegal zu verkaufen. Deshalb wurden Requirierungskommandos in die Dörfer geschickt, um das Getreide zu konfiszieren. Dabei gingen die Requirierungskommandos in jedem Jahr mit größerer Brutalität vor. In der Propaganda wurde die Legende von den „unterirdischen Verstecken“ verbreitet, wo die Bauern angeblich die Ernte horteten. Mit diesen Lügen ausgestattet erschienen Arbeiteraktivisten unter Führung der Mitarbeiter der politischen Polizei OGPU in den Dörfern und durchsuchten Bauernhütten und Höfe. Wenn sie etwas fanden, wurden die Besitzer vor Schnellgerichte gestellt und wegen Diebstahl von Kolchoseigentum zu zehn Jahren Haft oder in schweren Fällen zum Tode durch Erschießen verurteilt (Verordnung vom 7. August 1932).
Tatsächlich stellte sich heraus, dass es keine illegal angelegten großen Getreidevorräte gab, sondern allenfalls hatten die Bauern Nahrungsmittel versteckt, um zu überleben. Als auch die konfisziert worden war, starben sie den Hungertod. Das erklärte die ukrainische Zeitschrift „Kolchosaktivist“ so: die „jämmerlichen Heuler“ seien so weit heruntergekommen, „dass sie zusammen mit ihren Angehörigen absichtlich verhungern, obwohl sie Korn haben – nur, um Unzufriedenheit bei anderen Kolchosbauern zu provozieren“ (Kopelew, S. 360). Die Behauptung, dass Bauern absichtlich verhungern, scheint eine kaum noch zu überbietende Perversion der Wahrnehmung zu sein. Es zeigt die ganze revolutionär-ideologische Verbohrtheit und Entmenschlichung, dass Lev Kopelev und seine Genossen, die zur Zwangsrequirierung in die ukrainischen Dörfer geschickt worden waren, diese Propaganda glaubten, wie er selbst voller Reue in seinen Memoiren bekennt.
War die Hungersnot abwendbar? Sie war eine Konsequenz der Revolutionierung aller Verhältnisse auf dem Dorf und eine Front im „Krieg“ gegen die Bauern, wie Stalin selbst das nannte. Durch die Zwangskollektivierung verloren die Bauern besonders in der Ukraine ihre bisherigen Lebensgrundlagen. In der Ukraine hatte es zuvor kein bäuerliches Gemeineigentum (Mir oder Obščina) gegeben wie in Russland. Aufgrund der Zwangskollektivierung gingen die Ernteerträge zurück, was die bolschewistische Führung durch Hochrechnung der Statistik verschleierte. Schlechte Wetterbedingungen 1932 kamen hinzu, so dass nicht ausreichend Getreide zur Verfügung stand. Angesichts dieser Lage war die bolschewistische Führung entschlossen, das Getreide auf dem Dorf zu konfiszieren, um die Städter mit Brot zu versorgen, und die Bauern hungern zu lassen. Dies entsprach der Logik des Klassenkampfes und war zugleich ein Instrument, um die Bauern wegen ihres Widerstands gegen die Kollektivierung nachträglich zu bestrafen und für die Zukunft zu disziplinieren.
So führte die Stalin-Führung durch ihren rücksichtslosen Krieg gegen die Bauern die Hungersnot fahrlässig herbei. Als sich dann seit Herbst 1932 das ganze Ausmaß der Katastrophe abzeichnete, leitete die Führung nicht nur keine Hilfsmaßnahmen ein, sondern verschärfte durch gezielte Aktionen die Katastrophe und ist deshalb direkt für den Tod von Millionen verantwortlich, der trotz der knappen Getreideernte nicht zwangsläufig war.
Die Hungersituation wurde geleugnet und damit jede Hilfsmaßnahme im In- und Ausland unterbunden. Als dennoch Nachrichten über den Hunger nach Westeuropa und Nordamerika durchsickerten, wurden Sowjetdiplomatie und Propaganda angewiesen, dies als antisowjetische Hetze zurückzuweisen und sich jede Unterstützung für das hungernde sowjetische Dorf zu verbitten. Zugleich wurde der Export von Getreide aus der Sowjetunion, wenn auch in reduziertem Umfang fortgesetzt. 1931 hatte die Sowjetunion 5,2 Millionen Tonnen Getreide exportiert und im Hungerjahr 1933 waren es noch immer 1,7 Millionen Tonnen. Dafür kaufte die Sowjetmacht Maschinen und Industrieausrüstungen im Westen. Außerdem wurden auch in den Hungerjahren 1932 und 1933 staatliche Getreidevorräte in den Silos – obwohl in reduziertem Umfang - angelegt.
Nach Berechnungen von Michael Ellman von der Amsterdam School of Economics, einem der führenden Experten zur Großen Hungersnot, hätte allein das exportierte Getreide ausgereicht, um 1,5 Millionen Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Hätte die Stalin-Führung nationale und internationale Hilfsmaßnahmen zugelassen und den Getreideexport eingestellt, wäre es möglich gewesen, die gesamte Bevölkerung trotz der schlechten Ernteergebnisse zu ernähren, „wenn – so fügt Ellman hinzu - die Ernährung der gesamten Bevölkerung Stalins oberste Priorität gewesen wäre“. (Stalin, S. 679) Eben das war sie nicht.
Bisher war von der Hungersnot in den Getreide produzierenden Regionen der der Sowjetunion allgemein die Rede. Für die Ukraine und den mehrheitlich von Ukrainern bewohnten Kuban’ kamen nun weitere Verschärfungen hinzu, die den Hunger erst zum Holodomor, d. h. zum Terror durch Hunger, und zum Genozid machten.
Durch Beschluss des ukrainischen ZK vom 18. November 1932, den der von Stalin nach Char’kiv entsandte Molotov diktierte, wurden für die Bauern, die mit der Getreideablieferung im Rückstand waren, so genannte Naturalienstrafen eingeführt. „Es wird ein zusätzliches Fleischablieferungssoll in Höhe des 15fachen Satzes der Monatsnorm dieser Kolchose sowohl vom gemeinschaftlichen als auch vom individuellen Viehbestand der Kolchosbauern festgesetzt“. In der Praxis führten die Naturalienstrafen dazu, dass die Requirierungskommandos sämtliche Nahrungsmittel in den Dörfern konfiszierten, einschließlich Rüben, Zwiebeln, getrockneten Pilze und Trockenobst. Sie lieferten damit die Bauern dem sicheren Hungertod aus. Anwendung fanden diese Naturalienstrafen gegen etwa 90% der Kolchosen in der Ukraine, nur etwa 10% hatten ihr Getreideablieferungssoll erfüllt.
Außerdem wurden mit diesem Beschluss des ZK der KP(b)U so genannte Schwarze Listen eingeführt. Für die Dörfer auf den Schwarzen Listen bedeutete das „die sofortige Einstellung der Lieferung von Waren, die vollständige Einstellung des kooperativen und staatlichen Handels und das Fortschaffen aller vorhandenen Waren aus den Koop-Läden“. Damit wurde über viele Dörfer eine vollständige Blockade verhängt wie in einem Krieg, um die Bevölkerung auszuhungern.
Die Menschen nutzten seit alters her die Möglichkeit, in Hungerjahren ihre Heimat zu verlassen und in zum Teil entfernten Gegenden auf Hamsterfahrten zu gehen. Auch im Winter 1932/33 suchten Hunderttausende insbesondere in Weißrussland und den angrenzenden Gebieten der RSFSR nach Nahrungsmitteln. Durch eine geheime Direktive vom 22. Januar 1933 – unterzeichnet von Stalin und Molotov – wurden die Ukraine und der Nordkaukasus von einander und von der übrigen Sowjetunion abgeriegelt. Hunderttausende wurden zwangsweise in ihre Dörfer zurückgeschickt. Der Verkauf von Eisenbahnfahrkarten in der Ukraine wurde zeitweise eingestellt. Alle diese genannten Maßnahmen galten nur für die Ukraine und den Nordkaukasus, nicht aber für die Hungergebiete an der Wolga und in Sibirien.
Wie lässt sich erklären, dass die Stalin-Führung mit gezielten Aktionen die Hungersnot in der Ukraine verschärfte und damit Millionen Menschen eben hier dem Hungertod auslieferte? Spätestens seit dem Sommer 1932 war Stalin zu der Überzeugung gekommen, dass der ukrainische Nationalismus Schuld an der unzureichenden Getreideaufbringung war, dass die Ukrainer also gezielt Widerstand gegen die Zentralmacht leisteten und dafür ein für allemal bestraft werden müssten. Am 11. August 1932 schrieb Stalin an Kaganovič, dass sich zahlreiche Rayonparteikomitees in der Ukraine gegen den Plan der Getreideablieferung ausgesprochen hätten und der Grund dafür sei, dass es in der KP der Ukraine zahlreiche „verrottete Elemente gibt, bewusste und unbewusste Anhänger von Petljura“, dem nationalen Führer aus der Bürgerkriegszeit, die nur darauf warteten, gegen Moskau loszuschlagen. „Wenn wir uns jetzt nicht daran machen, die Lage in der Ukraine in Ordnung zu bringen, dann können wir die Ukraine verlieren“. „In Ordnung gebracht“ wurde die Lage in der Ukraine durch den Hungerterror gegen das ukrainische Dorf und die gleichzeitigen umfassenden Säuberungen gegen die ukrainischen Nationalkommunisten und die nationale ukrainische Intelligenz.
Die Säuberungswelle in der Ukraine im Jahr 1933 war die umfassendste und blutigste, die bislang über die Sowjetunion hinweggegangen war. Sie traf die ukrainischen Schriftsteller und Künstler, Lehrer und Wissenschaftler sowie die untere und mittlere Führungsebene des Partei- und Sowjetapparats – die Liquidierung der obersten ukrainischen Führung verschob Stalin auf die Jahre 1937 bis 1939. Alle standen im Verdacht, für mehr Autonomie der Ukraine einzutreten und vielleicht sogar eine Lostrennung von der Sowjetunion anzustreben. Stalin hat in paranoider Weise die „Gefahr“ übertrieben, ganz aus der Luft gegriffen war sie nicht. In seinem politischen Weltbild gab es nur eine Antwort auf diese Bedrohung: die Vernichtung des Feindes.
War die Vernichtung von Millionen ukrainischer Bauern Völkermord im Sinne der Völkermordkonvention der Vereinten Nationen vom 9. Dezember 1948? In der Ukraine hat sich in den vergangenen Jahren in der Wissenschaft, nicht jedoch in der Politik ein weitgehender Konsens darüber herausgebildet, es habe sich um Völkermord gehandelt. Die „Konvention zur Verhinderung und Bestrafung des Verbrechens des Völkermords“ definiert Völkermord als „Akte“, die „mit der Absicht begangen wurden, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche, ganz oder teilweise, zu zerstören“. Auf den Holodomor angewendet, muss also nachweisbar sein, dass der Hungerterror erstens gezielt gegen das ukrainische Ethnos gerichtet war und dass die Stalin-Führung dabei zweitens die Absicht hatte, diese Gruppe jedenfalls teilweise zu vernichten. Die Gegner der Völkermordthese bringen vor, beides sei nicht erwiesen, weil erstens nicht nur Ukrainer, sondern auch Hunderttausende von Angehörigen anderer Ethnien innerhalb und außerhalb der Ukraine zu Tode kamen. Zweitens sei die Absicht zur Tötung nicht nachgewiesen, denn in den Archiven hat sich keine Direktive von Stalin gefunden, Millionen von Bauern durch Hunger zu vernichten.
Dem ist entgegenzuhalten, dass die Konvention nicht die Zerstörung einer ethnischen oder nationalen Gruppe insgesamt in die Völkermorddefinition aufgenommen hat. Dies war zwar bei der Vernichtung der europäischen Juden durch die deutschen Nationalsozialisten der Fall, ist aber nicht Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Konvention von 1948. Es reicht also aus, dass der Holodomor sich gegen einen Teil der ukrainischen Bauern richtete und Millionen zu Opfern wurden. Die Tatsache, dass auch nichtukrainische Bauern unter den Opfern waren spricht nicht gegen die Völkermordthese, denn diese setzt keine Ausschließlichkeit voraus. Im Holocaust sind außer Juden auch zahlreiche Angehörige anderer Ethnien zu Opfern geworden.
Was nun die Intention, also die Absicht zu töten, betrifft, haben die Archive zwar keinen Tötungsukaz der Stalin-Führung zum Vorschein gebracht, aber die oben beschriebenen Maßnahmen: Konfiszierung aller Lebensmittel und Einschließung und Isolierung der Hungernden kommen einer Tötungsabsicht gleich. Etwas weiteres kommt hinzu: Ende 1932/Anfang 1933 wurden 60.000 bis 100.000 Kosaken aus dem Kuban’-Gebiet in den Hohen Norden und nach Sibvirien deportiert, alle Bewohner ganzer Kosaken Stanicas (Siedlungen) wurden geschlossen als Konterrevolutionäre im Zusammenhang mit den Getreiderequirierungen deportiert. Die Anordnung dazu enthält ein geheimer Beschluss des ZK und des Rates der Volkskommissare der UdSSR vom 14. Dezember 1932. Hier wird in einem Einzelfall deutlich, dass der Terror gezielt gegen eine ethnische Gruppe, nämlich die ukrainischen Kuban’ Kosaken, gerichtet war. Auch in der Ukraine selbst wurden im Zuge der Getreidebeschlagnahmungen Bauern in großer Zahl deportiert. Auch dabei handelte es sich in aller Regel um Ukrainer.
Während in der ukrainischen Forschung die Genozidthese inzwischen weitgehend Konsens ist, besteht in der westlichen Forschung ein breites Spektrum von der Akzeptanz der Völkermordthese bis hin zu einer vehementen Ablehnung. James Mace und Andrea Graziosi gehören zu den Befürwortern der Einordnung des Großen Hungers als Völkermord, ebenso Roman Serbyn und manche andere. Auch Terry Martin stimmt dem jedenfalls teilweise zu. Mark Tauger lehnt dagegen eine Tötungsabsicht ab und glaubt im wesentlichen an eine Naturkatastrophe. Dies ist allerdings in der westlichen Forschung heute eine seltene Extremposition.
Zahlreiche Forscher machen Stalin persönlich für den Tod von Millionen verantwortlich (S.Wheatcroft) oder unterstellen, er habe bewusst die Bauern verhungern lassen, weil das weniger aufwendig und kostspielig gewesen sei als weitere Millionen von Menschen zu deportieren wie zur Zeit der Kollektivierung (Michael Ellman). Insoweit lässt sich sagen, dass der Holodomor weithin in der westlichen Forschung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn auch nicht durchgehend als Völkermord qualifiziert wird.
Die russische Politik wehrt sich mit Nachdruck gegen die Einordnung des Holodomor als Völkermord. Allerdings gibt es in Russland Forscher, die den Großen Hunger als Völkermord werten, dessen Opfer nicht nur die Ukrainer sondern auch die Russen waren, von denen Hunderttausende an der Wolga umkamen (V. Danilov, Viktor Kondrašin). In Russland wird bislang weder in der Publizistik noch in der Forschung anerkannt, dass der Holodomor in der Ukraine andere, noch weit brutalere Züge hatte als an der Wolga. Die enge Verknüpfung von Nationalitätenpolitik und Getreiderequirierungen, die Stalin persönlich hergestellt hat, wird nicht zur Kenntnis genommen. Für Stalin war der Holodomor nicht nur ein Instrument, um die Bauern zu disziplinieren, sondern auch um in der Ukraine alle Träume von Autonomie oder gar Selbständigkeit ein für alle mal zu zerstören. Wie wir heute wissen, ist dies nicht gelungen.
Prof. Gerhard Simon
24.11.2007
„Der Holodomor in deutschen Schulbüchern“, so sollte der Titel meines Vortrags lauten. Der Holodomor als solcher kommt jedoch im deutschen Schulunterricht – so muß nach Durchsicht der gängigen Lehrmaterialien gefolgert werden - überhaupt nicht vor. Das betrifft sowohl die Bezeichnung als auch die geschichtliche Einordnung des Ereignisses. Insofern ist es korrekter, von „Stalins Feldzug gegen die Bauern“ in deutschen Schulbüchern zu reden.
Dieses Verbrechen Stalins wird tatsächlich in manchen Geschichtsbüchern für den Schulgebrauch als Feldzug, teilweise sogar als Vernichtungsfeldzug, als regelrechter Krieg auf dem Lande gegen die Bauern dargestellt, die sich ihre Habe nicht wegnehmen lassen und nicht in die Kolchosen eintreten wollten. Die massenhafte Hungersnot wird also, wenn überhaupt behandelt, als direkte Folge der Zwangskollektivierung und der „Entkulakisierung“ angesehen, auch von Autoren, die den menschenverachtenden Charakter des stalinistischen Regimes durchaus darstellen wollten. Es kann aber nicht genug betont werden kann: Der Holodomor wurde nicht unmittelbar durch die Zwangskollektivierung und den Kampf gegen die Kulaken verursacht, wenngleich ein gewisser Zusammenhang besteht. Ich komme noch auf diesen Punkt.
Ich möchte noch einmal betonen: Es sollen hier keineswegs die Autoren und Autorinnen der entsprechenden Schulbücher kritisiert werden. Tatsächlich hat sich in der Osteuropakunde seit R. Conquest und J. Mace, also seit Mitte der 80er Jahre, die Erkenntnis, daß es sich bei der Aushungerung der ukrainischen Bauern um Massenmord handelte, sehr langsam durchgesetzt. Mein Anliegen ist vielmehr, Forderungen an künftige Auflagen zu richten. Heute, da die Forschung weitergeschritten ist und der Holodomor bereits internationale Aufmerksamkeit erfährt, sollte eines der schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts in deutschen Schulbüchern des Geschichtsunterrichts nicht fehlen.
Die von mir untersuchten Geschichtsbücher für den Schulgebrauch lassen sich in drei etwa gleich große Gruppen aufteilen. In einem Teil werden selbst die Zwangskollektivierung und ihre Opfer nicht behandelt, in einem weiteren Teil der Bücher knapp erwähnt und in einigen Schulmaterialien mit Einzelheiten, aber objektiv noch verharmlosend dargestellt.
In keinem der Lehrmaterialien– mit einer einzigen rühmlichen Ausnahme – erscheinen besondere Völker als Opfer des Stalinismus, sei es durch den Holodomor oder andere Verbrechen wie Säuberungen oder Massendeportationen. So wird die Tatsache, daß mit dem weiteren Verlauf der Zwangskollektivierung eine nationale Tragödie schlimmster Art für Kasachen und Ukrainer verbunden ist, nirgendwo beleuchtet. Sogar die regionale Verteilung der Hungertoten auf Ukraine, Kubangebiet, Untere Wolga wird selten genannt. Was ist der Grund dafür?
Die Nationalitätenpolitik des Vielvölkerstaates Sowjetunion wurde vor 1991 jahrzehntelang selbst von vielen Fachleuten hintangestellt. Dabei war sie ein enorm wichtiges Gebiet der sowjetischen Politik, nicht weniger wichtig als z.B. die Industrialisierung oder die Agrarpolitik. Mehr noch: sie war der entscheidende Grund für die Auflösung der Sowjetunion, und auf sie gehen einige Konflikte unter den Nachfolgestaaten zurück G. Stöber verweist schon 1995 darauf, daß in deutschen Schulbüchern erst nach dem Ende der Sowjetunion die ethnische und nationale Vielfalt ihrer Völker berücksichtigt wird. Heute noch undifferenziert von der Gesamtbevölkerung der UdSSR zu reden, als hätte es ein einziges Sowjetvolk gegeben, ist ein gravierender Fehler; er sollte in neueren Bearbeitungen unbedingt korrigiert werden, und dies nicht nur im Zusammenhang mit dem Holodomor.
Tatsächlich wird in einem Schulbuch – dies ist die erwähnte Ausnahme - die große Säuberung von 1937-39 (korrekt) auch als nationalitätenpolitische Zwangsmaßnahme erläutert und zudem die Nationalitätenpolitik insgesamt kritisch beleuchtet. Doch gerade in diesem Buch heißt es: Die Kulaken hätten die Kommunisten „nicht ins russische Dorf“ zugelassen. Dabei ist die propagandistische Gleichsetzung von Kulaken mit ukrainischen reichen habgierigen Bauern in sowjetischer Zeit so manifest, daß in der Nachbarrepublik Weißrußland sogar das ukrainische Wort „Kurkul“ anstelle des russischen „Kulak“ übernommen wurde. Die Wahrheitswidrigkeit der Sowjetpropaganda gegen die Kulaken wird übrigens in einem großen Teil der Schulbücher durchaus gekennzeichnet.
Die horrenden Opferzahlen im ukrainischen Volk (und bei den Kasachen) müssten auch dann besonders genannt werden, wenn die Deutung als „Genozid“ abgelehnt und die Tatsache, daß auch in anderen sowjetischen Gebieten Hunger herrschte, betont wird. Doch die Sondermaßnahmen, die nur in der Ukraine und im Kubangebiet in Kraft gesetzt wurden, forderten hier weitaus mehr Todesopfer als in den anderen Regionen, die ebenfalls vom Hunger heimgesucht wurden. Für den Zusammenhang mit der Nationalen Frage der Sowjetunion sprechen für mich zwingende Indizien. Eindeutig hat Stalin selbst expressis verbis dieses Gebiet der sowjetischen Politik, nämlich den Kampf gegen „nationalistische Abweichler“ und die „Entscheidungsschlacht um die Ukraine“, mit der Getreidekampagne verknüpft, Im Geschichtsunterricht der Ära Brežnev wurde die Hungersnot an der unteren Wolga keinesfalls verschwiegen - im krassen Gegensatz zum ukrainischen Holodomor. Die ukrainischen „Kulaken“, so hieß es damals, hätten zur Hilfe für dieses Gebiet gezwungen werden müssen. „Für die Hungernden an der Wolga“ war in der Sowjetunion sogar eine verbreitete spöttische Redensart, die die Vergeblichkeit eines Unternehmens karikierte.
Ein weiterer wichtiger Grund für die notwenige ethnisch-nationale Zuordnung der Hungertoten des Jahres 1932/33 ist die Rolle, die diese Tragödie für die heutige ukrainische Politik spielt (Durkot) und die Anerkennung dieses historischen Unheils durch die UN. Zum 70-jährigen Gedenken verfasste die 58. Vollversammlung der Vereinten Nationen im Herbst 2003 eine Resolution (die dann auch ohne Gegenstimme angenommen wurde), in der das Hungersterben als „nationale Tragödie“ des ukrainischen Volkes ausgewiesen wurde. Mit der Ukraine zusammen erarbeiteten die Vertreter von 36 Nationen – darunter die USA und die Russische Föderation - den Text. Unterstützung kam von einer weiteren Gruppe, unter diesen waren alle damaligen EU-Staaten und Israel. Der Holodomor wurde bis heute von einem Dutzend Parlamente verschiedener Staaten - darunter die USA, Kanada, Italien, Polen, Ungarn - als Genozid anerkannt. Wenig bekannt ist die Erinnerung an den Holodomor als treibende Kraft für die ukrainische Unabhängigkeitsbewegung, die letztlich den Zerfall der Sowjetunion herbeiführte. Das schon erwähnte weltpolitische Moment ist zugleich ein welthistorisches, denn der dritte große staatenpolitische Umbruch des 20. Jahrhunderts nach den beiden Weltkriegen und ihren Veränderungen geschah eben in diesen Jahren. Auf dem Gründungskongreß der ukrainischen Unabhängigkeitsbewegung RUCH im September 1989 führt der Schriftsteller Vol. Javorivs’kyj den Hungermassenmord als erste unter den großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts auf, von denen das ukrainische Volk betroffen wurde: „Wir haben das Jahr 1933 und das Jahr 1937 durchgestanden, wir haben den Faschismus durchgestanden, wir haben den Blitz von Čornobyl’ durchgestanden.“ Etwas später wird er noch deutlicher und spricht von der „unerhörten künstlich herbeigeführten Aushungerung (Holodomor)“. Die nach jahrzehntelanger Verfälschung und Unterdrückung der Wahrheit sich Bahn brechende Erinnerung an den Holodomor führte die USSR – ebenso wie Čornobyl’- auf den Weg der Autonomie und schließlich der Selbständigkeit.
Nun zu dem Teil der Schulbücher, die den Stalinismus und also auch die Massen-Hungersnot nicht erwähnen. Gründe sind: eine andere Schwerpunktsetzung des Geschichtsstoffes, andere Beispiele für bahnbrechende Entwicklungen des 20. Jahrhunderts als die Sowjetunion unter Stalin. Das ist legitim. Der Geschichtsunterricht steht angesichts der immer mehr anwachsenden Stoff-Fülle vor einem Dilemma. Dennoch ist zu fragen, ob der Stalinismus übergangen werden darf, wenn ein Schulbuch ein Kapitel „Industrialisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft“ enthält, denn die Industrialisierung der Sowjetunion unter Stalin war die größte in kurzer Zeit unter staatlicher Lenkung erzwungene des Jahrhunderts. Oder, wenn der Ost-West-Konflikt ausführlich behandelt und das amerikanische ideologische Selbstverständnis als imperiale Demokratie dargestellt, warum dann nicht auch der Kern der Sowjetideologie mit ihrem wahnsinnigen Anspruch, den Menschen nach ihrem Bilde neu zu formen? In einem Themenheft zu den Revolutionen geht es auch um die russische Revolution mit eben diesem Anspruch, den „neuen Menschen“ zu schaffen. Als Beispiel wird die sowjetische Frauenpolitik genommen. Der „Neue Mensch“ sollte aber wohl gerade in den Kolchosen und Fabriken geschaffen werden. Er sollte durch den Sowjetpatriotismus erzogen und geformt werden, in dem auch – in diametralem Gegensatz zum Bourgeoisen Nationalismus - jeder Zwist unter den verschiedenen Nationen überwunden sein sollte. Seit Beginn der 30er Jahre wird dieser Begriff in der Praxis russisch-nationalistisch ausgefüllt. Die Dezimierung des zweitgrößten sowjetischen Volkes steht also am Beginn der Formung des neuen „homo sovieticus“.
In einem weiteren Teil der Schulbücher werden Zwangskollektivierung und Hungersnot kurz und summarisch abgehandelt. Im Ergebnis erscheinen sie als eine Abart des stalinistischen Terrors, aber als direkte Folge der Zwangskollektivierung, als Terror gegen die Kulaken. Auch wenn in diesen Schulbüchern richtig festgestellt wird, daß der Kulak ein propagandistisches Feindbild war, die große Mehrheit der Bevölkerung gegen die Einführung der Kollektivierung war, die Zwangsmaßnahmen die gesamte Bauernschaft trafen und die Landwirtschaft dadurch zerrüttet wurde, gilt hier die Hungersnot als unabwendbare Folge dieser Faktoren: Die bäuerlichen Einzelwirtschaften verfielen; die neuen Kolchosen waren nicht arbeitsfähig. Im Winter 1932/33 brach in weiten Teilen der Sowjetunion eine Hungersnot aus (Cornelsen 2). In einem Buch wird die Hungersnot sogar unmittelbar auf den Widerstand der Kulaken zurückgeführt. Das ist völlig unannehmbar. Der schon zitierte Stöber (a.a.O.447) beurteilt Sätze wie: „Da viele Bauern, ehe sie ihre Höfe abtreten mussten, ihre Ernte vernichteten und das Vieh schlachteten, kam es zu …Hungersnöten, denen Millionen von Menschen zum Opfer vielen“ schon 1995: „aus solchen Formulierungen daraus könnten Schüler eine groteske Verkehrung der Schuldzuschreibung bezüglich der Hungeropfer herauslesen“.
Besonders fragwürdig ist die Wiedergabe einer Gorbačevrede als Quelle. Darin wird die Kollektivierung rückschauend als notwendig und als Errungenschaft bezeichnet, und die Opfer werden Fehlern und örtlichen Übertreibungen zugeschrieben. Schon 1932 und 1933 lenkten sowjetische Funktionäre mit dieser Formulierung vom eigentlichen planmäßigen und verbrecherischen Charakter der Lebensmittelrequirierungen ab. Da den Schülern im Lehrbuch kein anderes Hintergrundwissen angeboten wird als nur der spärliche Hinweis auf die Durchsetzung der Kollektivierung gegen die Mehrheit der Bevölkerung ist die Aufgabenstellung, Gorbačevs Haltung allein aus dieser Quelle wiederzugeben, nicht etwa: sie mit den historischen Fakten anhand anderer Quellen zu konfrontieren, völlig unzureichend,. Desgleichen abzulehnen ist ein Lehrbuch, in dem die Kollektivierung insgesamt sogar als notwendige wirtschaftliche Maßnahme bewertet wird, die Millionen von Opfern übergangen werden. In einem weiteren Buch dieser Gruppe wird die Zwangskollektivierung mit Quellenmaterial sauber dargestellt, die Deportationen und Verhaftungen werden genannt, jeder Hinweis auf das Hungersterben fehlt aber.
Nun zum vermeintlichen ursächlichen Zusammenhang zwischen Zwangskollektivierung und Hungersnot. Dieser Interpretation folgen sogar die Autoren des Schwarzbuchs Kommunismus, die übrigens die Hungersnot deshalb auch nicht als das schlimmste Verbrechen Stalins bewerten und die Verbindung mit der nationalen Frage ausdrücklich ablehnen. Auch hier also: Den Schulbuchautoren und –Autorinnen ist kein Vorwurf zu machen. Aber was geschah tatsächlich?
1929 – 1931 wurde das Ziel, die Hauptmasse der Bauern in die Kolchosen zu zwingen, im Wesentlichen erreicht. Zwangs- und Strafmaßnahmen im großen Stil wurden in dieser Zeit gegen aufsässige Landwirte angewandt, die weitgehend passiven, in einigen Fällen auch bewaffneten Widerstand leisteten und teilweise ihr Vieh schlachteten. Die Zahl der nach Sibirien und Zentralasien deportierten ukrainischen Bauern und ihrer Familienangehörigen in dieser „Entkulakisierung“ überschritt eine Million. Im Frühjahr 1931 war die Massendeportation abgeschlossen. Stalin hatte sein im Januar 1930 verkündetes Ziel, das Kulakentum als Klasse auszurotten, erreicht.
Die ganze Wucht der Getreiderequirierungen in der Ukraine traf 1932 – die Kolchosen. Zu ca. 85 % waren die ukrainischen Bauern bereits 1931 in ihnen organisiert. Die wenigen verbliebenen selbständigen Bauern wurden von den örtlichen und höheren Parteiführungen nicht als Kulaken bezeichnet, sondern als „Einzelbauern“ (ukrainisch: odnoosibniky) oder sogar als „werktätige Einzelbauern“, um den Unterschied zwischen ihnen und den vertriebenen Kulaken auszuweisen. Die Zwangskollektivierung war tatsächlich mit erheblichen Ertragseinbußen an Lebensmitteln einhergegangen, das Ernteaufkommen von 1931 und 1932 hätte aber, wie simple Berechnungen beweisen, vollkommen ausgereicht, um die gesamte Bevölkerung der Ukraine zu ernähren. Doch trotz der Lebensmittelknappheit legten die sowjetischen Behörden den ukrainischen Kolchosen eine derart hohe Norm der Getreideabgabe auf, dass die Bauernfamilien bereits 1931/32 in ernste Ernährungsschwierigkeiten gerieten und eine Hungersnot ausbrach, die im Frühjahr 1932 schon über 100 000 Menschenleben gefordert hatte. Die sich seit August 1932 anbahnende und im November 1932 verhängte Hungerblockade richtete sich gegen Kolchosen und die wenigen verbliebenen Einzelbauern. Stalin sprach in seinem entscheidenden Brief vom 21. 8. an Kaganovyč, in dem er den Kampf um die Ukraine begründete, kein einziges Mal von irgendwelchen Kulaken, sondern von bewussten und unbewussten Petljura-Anhängern und Agenten Pilsudskis, darüber hinaus beschimpfte er vor allem die ukrainische KP als zersetzt, nationalistisch unterwandert und opportunistisch. Im Schlüsseldokument zur Aushungerung der Kolchosen, dem Beschluß der ukrainischen Parteiführung vom 20.11.1932 in ukrainischer Sprache, am 18.11.1932 verfasst von Stalins Sonderkommissar V. Molotov, kommt 18 mal das Wort Kolchosen (Kol’hospy) vor, 3 mal ist von Kolchosbauern (Kol’hospnyky) die Rede, einmal von Einzelbauern, kein einziges Mal taucht das Wort Kulaken auf, dafür aber werden Tagediebe und Schmarotzer sowie opportunistische örtliche Parteiführungen für die mangelnde Erfüllung des Liefersolls verantwortlich gemacht. Um zu begründen, weshalb nun ausgerechnet die Kolchosen, also eine sozialistische Wirtschaftsform und angeblich die bahnbrechende sowjetische Errungenschaft, zum Feindziel der Parteiaktivisten wurden, die den Familien die letzten Vorräte zum Überleben wegnahmen und sie dann sterben ließen, gaben Kaganovyč, Balyc’kyj und andere Parteiführer die groteske, jeder Logik hohnsprechende Parole aus, „Agenten des Kulakentums“ hätten sich durch „Spalten und Schlupflöcher“ in die Kolchosen eingeschlichen und diese unterwandert. Die Hauptgefahr indes sieht Balyc’kyj (mehrfach bezeugt) in einer angeblichen nationalistischen Unterwanderung der Kolchosen.
Es ist also festzuhalten: Die Behauptung, die Zwangskollektivierung und der Kampf gegen das Kulakentum hätten als unmittelbare Folge zu einer Massenhungersnot geführt, ist falsch; sie gehört aus den Schulbüchern entfernt. In den Schulen wird offenbar noch nach einer beträchtlichen Anzahl von Lehrbüchern unterrichtet, in denen der Hungertod von Millionen ukrainischer Bauern entweder übergangen oder sogar eine verharmlosende Version der Hungersnot angeboten wird.
Das letzte Drittel der von mir untersuchten Schulbücher enthält im Unterschied zu den vorigen wichtige Einzelheiten. So wird die Tatsache erwähnt, daß die Sowjetunion trotz der Hungersnot in großem Stil Getreide ausführte. Die gleichzeitige Verarbeitung des Getreides zu Wodka, der für die Ausfuhr bestimmt war, erscheint allerdings nicht. An einer Stelle wird die Ausfuhr indes in einer so milden Form beurteilt, daß es objektiv einer Verharmlosung gleichkommt: „Obwohl sie kaum ihre eigene Bevölkerung ernähren konnte, führte die Sowjetunion Getreide aus“ Es sollte wohl heißen: Obwohl Millionen ukrainischer Bauern in ihren Kolchosen verhungerten, führte die Sowjetunion gleichzeitig Getreide aus. Doch insgesamt ist die Erwähnung der gleichzeitigen Getreideausfuhr ein großer Fortschritt gegenüber früheren Versionen der Schulbücher. Ebenso begrüßenswert ist, daß auch die konsequente Verheimlichung der Hungersnot und die Ablehnung ausländischer Hilfe benannt werden (Horizonte II). Die Zwangskollektivierung als Enteignung von Millionen von Bauern und „Kriegserklärung an die gesamte Bauernschaft“, die von Stalin direkt befohlene „Liquidierung des Kulakentums als Klasse“, die Absurdität des Feindbegriffs Kulak und der Zwang der Planerfüllung in den Kolchosen werden aufgeführt, ebenso das gewaltige Ausmaß der Hungersnot. Doch wiederum wird diese als unmittelbare Folge der Zwangskollektivierung, und (natürlich wie in allen Schulbüchern) als gesamtsowjetische Erscheinung dargestellt, in einem Buch sogar mit der „schonungslosen Ausrottung der Kulaken“ erklärt. in eins gesetzt. Massaker, Deportationen und Hungersnot mit bis zu 10 Millionen Toten werden dort als die Werkzeuge dieser Verfolgung der Kulaken bezeichnet.
Der klare Wille, die unmenschliche Terrorherrschaft Stalins auch als solche zu kennzeichnen, ist also unverkennbar. Doch es fehlen die Kenntnisse. Nirgendwo in den deutschen Schulbüchern werden die heute in der westlichen und ukrainischen Forschung überwiegend anerkannten Grundzüge des Hungermassenmordes skizziert. Um Mord handelt es sich, nicht etwa um unterlassene Hilfeleistung oder fahrlässige Tötung. Die Wegnahme aller Nahrungsmittel durch Parteiaktivisten in den einzelnen Bauernhäusern in einer ohnehin schon herrschenden Hungersnot – angeordnet im November 1932 - und die Schließung der Läden in den betroffenen Kolchosen der „Schwarzen Liste“ und zusätzlich die Versperrung der Fluchtwege, auf denen die Betroffenen sich hätten retten können, -endgültig im Januar 1933 - die Vorenthaltung lebensrettender Lieferungen, die strikte Geheimhaltung nach außen und die Ablehnung angebotener ausländischer Hilfe, die gleichzeitige Ausfuhr von Getreide, alles dies begleitet von Hasstiraden der Täter, die ihre Opfer als Getreidediebe und Saboteure beschimpften, wenn sie mit einer Handvoll Körnern ihr Leben retten wollten, lassen nur eine Bewertung zu: Massenmord. Wichtig ist, daß Stalin dieses Verbrechen gegen den Willen der Mehrheit der ukrainischen Kommunisten durchsetzte. 3500 ukrainische lokale und Bezirksparteiführungen wurden ausgetauscht, die Parteispitze der Sowjetrepublik entmachtet.
Als Forderungen an Neuauflagen ergeben sich:
Dr. Ernst Lüdemann
Heidelberg, Oktober 2007
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Vernichtung durch Hunger von sechs bis sieben Mio. ukrainischer Bauern und kasachischer Nomaden war das schlimmste Verbrechen Stalins. Es ist „integraler Bestandteil des Jahrhunderts der Massenvernichtung“, so die Herausgeber des Sonderheftes der Zeitschrift Osteuropa 54. Jg., 12/2004, das diese Tragödie behandelt. Doch das monströse historische Ereignis ist in Deutschland kaum bekannt.
In deutschen Schulbüchern wird diese Tragödie entweder gar nicht oder nur knapp behandelt. Darüber hinaus geben die spärlichen Darstellungen das Hunger-Massensterben 1932/33 meist als Ergebnis einer rücksichtslosen, Opfer fordernden Agrarpolitik aus, werden also dem bewusst und gezielt durchgeführten Massenmord nicht gerecht.
Eine solche Behandlung ist objektiv geeignet, das stalinistische Verbrechen zu bemänteln. Bisweilen wird sogar der „Widerstand“ der „Kulaken“ als wesentliche Ursache ihres Todes genannt, der in Wirklichkeit eine planmäßige Vernichtung war. Den Schulbuchautoren ist kein Vorwurf zu machen, hat sich doch die von Stalin und seinen Helfershelfern organisierte Hungersnot selbst Fachleuten erst nach dem Zerfall der Sowjetunion in ihrem ganzen Ausmaß und ihrer brutalen Durchführung erschlossen. Heute aber ist es höchste Zeit, den gesicherten Forschungsstand auch
in den Geschichtsunterricht und möglichst auch in die Lehrbücher einzubringen.
Wir laden Sie also herzlich zu einer Fachtagung laut beigefügtem Programm am 24. November 2007 ein. Dies ist der ukrainische Gedenktag des Holodomor. Sie werden ausgewiesene Fachleute zu diesem Thema hören und befragen können.
Gez.
Dr. Ernst Lüdemann,
Landeszentrale für politische Bildung,
Maria Melnik,
Deutsch-Ukrainische Gesellschaft e.V.
Außenstelle Heidelberg 2. Vorsitzende
Kommentar:
Unserer Einladung folgte leider kein einziger Vertreter der deutschen Schulbuchverlage. Wir bedauern sehr, dass niemand Interesse für historische Tatsachen zeigt.
28.11.2007
Manchmal fühlte man sich - das sag ich aber heute - damals hätte ich das nicht so bezeichnet wie so ein 'malenjkij sverjok', so ein verschrecktes kleines Tierchen. Erst war man erschrocken, dass der Mann da lag so einfach. Und dann roch er natürlich schlecht. Und dann, als man wusste, was das ist, dann drehte sich das alles um. Das war irgendwie unbewusst vielleicht. Als Kind fühlte man da eine gewisse Gefahr. Hier war 'Gorje', hier war Leid. Leid, das dann illustriert wird. Das ist kein Naturereignis. Das ist eine Katastrophe, die von Menschen gemacht war.dradio.de
24.11.2007
Kiew. sda/afp/baz. Mit Messen und Halbmastbeflaggung haben am Samstag tausende Ukrainer des 75. Jahrestages der grossen Hungersnot gedacht, bei der in den Jahren 1932 und 1933 Millionen Menschen gestorben waren.Basler Zeitung Online
20.01.2007
Als sie das Wort "Holodomor" hört, bricht sie in Tränen aus. Natalia Mikitiwna Nidzelska, eine 86-jährige, kleine und zerbrechlich wirkende Frau aus dem westukrainischen Dorf Pilipi, zeigt auf ihr Herz und schreit in tiefster Trauer: "Es schmerzt hier sehr, dass Menschen so qualvoll sterben mussten!" Holodomor - das ist das ukrainische Wort für die Hungerkatastrophe, das zufällig ähnlich wie Holocaust klingt.Spiegel Online
"Wenn wir uns jetzt nicht daranmachen, die lage in der Ukraine in Ordnung zu bringen, dann können wir die Ukraine verlieren", schrieb Stalin am 11. August 1932 an den Ersten Parteisekräter der Ukraine Lazar´ Kaganovyč. "In Ordnung gebracht" wurde die Lage durch den Hunger-Terror gegen das ukrainische Dorf, so daß der nationale und soziale Widerstand auf lange Zeit unterdrückt wurde.
Die große Hungersnot 1932/33 gehört zu den großen Verbechen der Menschheitsgeschichte. Die Hungersnot in der Ukraine und am Kuban´kostete mehrere Millionen Menschen das Leben, weil Stalin die Getreiderequirierung und andere Terrormaßnahmen zugleich als Instrumente im Kampf gegen den ukrainische Nationalismus einsetzte.
07.10.2007

Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen das Sowjetsystem hat der britische Schriftsteller Martin Amis mit «Koba der Schreckliche. Die zwanzig Millionen und das Gelächter» vorgelegt. In dem essayistischen Werk verurteilt der bislang als Romanautor erfolgreiche Brite die Grausamkeiten der Stalin-Diktatur. «Koba», der Spitzname Stalins, ist gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit der Bewertung der Sowjetunion durch westliche Intellektuelle. Für Amis (58) ist es allerdings unbegreiflich, dass die Russen zu allen Zeiten Witze über den sowjetischen Tyrannen Josef Stalin und dessen unvorstellbare Grausamkeiten machen konnten.n24.de
30.11.2006
Das Parlament in Kiew hat am 28. November den Holodomor als Genozid am ukrainischen Volk eingestuft. Verabschiedet wurde das Gesetz mit den Stimmen der Sozialisten aus der Regierungskoalition und denen der Opposition.Deutsche Welle